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Roland Edelmann gibt ein Benefizkonzert für den neuen Flügel der Christuskirche
Chansons in Dur und Moll voller Intensität.

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Nachrichtenbild St. Ingbert (RG) Seit vielen Jahren singt Roland Edelmann aus St. Ingbert Chansons, Songs und Lieder, die eine beachtliche Reife zeigen und von dem Wegbereiter des französischen Chansons in Deutschland, Pierre Séguy, vor Jahren im SR-Radio gerne gespielt und besprochen wurden.
Obgleich die Geschichten über das Leben, die Liebe und den Tod - alles in drei Minuten - sich generell nicht nur auf den Sendeplätzen rar machten, klingt dies in der Christuskirche überraschend aktuell. Das liegt wohl an den vielen Zeitgenossen unter den Zuhörern und am Themenpark des ersten „Chansons de Roland“: „Ich bin nicht so wie jeder.“ Ein Ausdruck jener immerwährenden unterschwelligen Traurigkeit des Lebens, gleichsam einer „Moll-Tonart“ in seinen poetischen Geschichten, die allein schon dadurch Qualität versprechen.

Wenn Musik eine performative Kunst ist, zu der es statt eines „Originals“ immer nur divergierende Interpretationen geben kann, dann war das schon mal ganz anders am letzten Sonntag in der voll besetzten Christuskirche zu St. Ingbert. Der Besucher hat nämlich viele „Originale vom Original“ gehört und das kritisch rekonstruiert, authentisch interpretiert, als vielfarbig schillernder Vortrag vom Komponisten und Texter höchst selbst.



Der Sänger und Pianist zugleich, zottelt zunächst im musikalischen Sketch und entführt an fremde Orte, an die Massenuniversität in Paris in der Welt der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Ein Sehnsuchtsort und Lebensort für ein Jahr wird musikalisch markiert und verschüttete Erinnerungen nicht nur an ein gewisses Gefühl der Verlorenheit werden wach. Entsprechend wandern die Tonlagen jetzt frivol zwischen Dur und a-Moll hin und her, tragen seine Chansons Titel wie „Einsam“, Alkohol“, „Le Probleme“, „Liebeslied“, „Nachwuchs“ und drücken klangbildlich Wertschätzung für die unsterbliche „Viererbande“ Georges Brassens, Léo Ferrè, Jacques Brel und Reinhard Mey aus. Man braucht nicht des Französischen mächtig zu sein, um zu verstehen.

Dabei ist Roland Edelmann in der Tat nicht so wieder jeder. Die hohe Sensibilität, der kritische Blick auf die Brüchigkeit unserer Gesellschaft zur sozialen Reparatur und die spürbare Liebe zum Konzert für die „Gute Sache“ steht im Zentrum seiner Chansons und wird durchgängig fein verwoben mit dem gewissen Etwas: „Es träumt der Mensch, solang er lebt. Es lebt der Mensch,solang er träumt.“

Zuweilen wird Rücksicht auf Lebens und Kulturgesetze gefordert, überzeugend in Mimik und Gestik, weniger überzeugend allerdings in der Textartikulation. Gleich, ob es um gesellschaftliche Moral, das Urlaubsverhalten der Franzosen geht - alle gleichzeitig zu „Vacances“ ans Meer und in die Berge - oder aber um diverse Rauchverbote in der Welt, um „Stadt-Land-Beziehungen“ mit viel frischer Waldluft rund um St. Ingbert, all dies wird jetzt Teil seiner gesunden Lebensphilosophie in aktueller, Neues suchender Formgebung: „Ich fahr mi`m Rad“. Roland Edelmann zeigt nicht nur ein Gefühl für die Menschen, eine Liebe zur Musik, sondern einen unverkrampften, respektvoll spielerischen Umgang mit zeitgeschichtlichen Spuren. Er findet auch als Conferencier zu Zitier- und Gesangslust mit einem interessanten Spannungsbogen zur eigenen Geschichte zur eigenen Identität, was in seinem „Herbstgedicht“ seinen Höhepunkt findet. Die Gestik ist präzise, die Stimme klar, die Diktion perfekt und ein hoch sensibler, wunderschöner „Klavierpart alter Schule“ schließt sich an. Man glaubt nun die Geschichte vom „Leben als Lotterie“ zu kennen, doch sie hat mehr in sich, als sich wirklich ereignete: auch das Nichtgeschehene, das Verlorene und Unterbliebene, nicht mal Ersehnte, nicht Gewagte im Gegensatz zu den Boulevard bekannten „moralischen Abweichlern im zweiten Frühling“, sorgt für Helligkeit im Kirchenraum, für leises Staunen über das, was nicht geschehen beim Existentialisten, Romantiker und Chansonnier, Roland Edelmann.



So wird der Prozess des Erinnerns zurückgewonnen, gleichsam als nostalgischer Chansontrost. Das war auch für die Zuhörer wertvoll zu erleben, die sich zusammen mit Pfarrer Fred Schneider-Mohr nicht nur mit einem lang anhaltenden Applaus für diese Lebensreise bedankten, sondern auch für die Anschaffung des neuen Flügels kräftig spendeten.

Montag, 17. Oktober 2011/web474
Letzte Änderung: 01.12.11/web474
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