Erste Phase – September 1997 bis Juli 2007
Nach der Gründung des Rotary Clubs Heidelberg-Alte Brücke 1997 wurde nach geeigneten Gemeindienstprojekten gesucht. Ein wichtiges Projekt startete im September 1997.
Der Club beschloss, mit Beginn des Schuljahres 1997/1998 an der Grundschule Emmertsgrund „Deutschunterricht für Kinder mit Migrationshintergrund“ einzurichten:
·Stundenumfang: 4 Wochenstunden,
·Kleingruppen bis zu 5 Kinder,
·Unterrichts am Vormittag, damit war die Teilnahme immer
gesichert.
Das Projekt „Deutschunterricht für Kinder mit Migrationshintergrund“ an der Grundschule Emmertsgrund war sehr erfolgreich. Im Jahre 2006 kam daher aus dem Club der Vorschlag, das Projekt auf andere Grundschulen in Heidelberg auszuweiten.
Zweite Phase – Oktober 2007 bis August 2009
Eine Großspende aus den Reihen des Clubs war die Grundlage für die Realisierung des Projekts, das nun „Kinder lernen Deutsch“ genannt wurde. Baier-Digitaldruck GmbH gestaltete und sponserte ein vierseitiges Werbeprospekt. Im Oktober 2007 begann die systematische Deutschförderung an acht Grundschulen Heidelbergs mit fast 150 Kindern in 21 Kleingruppen der Klassen 1 und 2. Im Juli 2009 waren an neun Grundschulen 28 Gruppen in die Förderung einbezogen.
Für die zweite Phase brachte der Rotary Club Heidelberg - Alte Brücke Mittel in Höhe von über 120 000 Euro für die Förderung auf. Unterstützt wurde der Club dabei u.a. von der Freudenberg-Stiftung, von Dr. Volker Reimann-Dubbers, der Ghaemian Stiftung und dem Rotary Club Heidelberg.
Der Unterricht folgte dem Konzept „Deutsch für den Schulstart“ des Instituts für Deutschals Fremdsprachenphilologie der Universität Heidelberg. Das Institut hat das Projekt mit Fortbildung der Lehrkräfte und Evaluation des Lernfortschritts auch ständig begleitet. Die Auswertung der durchgeführten Tests durch die Universität und die Beobachtungen der Lehrkräfte in den beteiligten Grundschulen zeigen ein rundumpositives Ergebnis der systematischen, kontinuierlichen Förderung:
In wichtigen Bereichen der sprachlichen Fähigkeiten konnten signifikante Fortschritte verzeichnet werden, neben Sprechfreude und Erzählfähigkeit besonders im Satzbau und dem kritischen Bereich der Formenbildung. Hier konnten Stagnationen aufgebrochen und Formen erworben werden, an denen viele Kinder ohne gezielte Hilfen scheitern.
Die Erfolge in der Beherrschung der deutschen Sprache führten auch zur Steigerung des Selbstbewusstseins, Verbesserung des Sozialverhaltens und vor allem zu Fortschritten in der Fähigkeit, im normalen Unterricht der Klassen mitzuarbeiten. Das kindgerechte Konzept „Deutsch für den Schulstart“ hat sich in kontinuierlicher Förderung in Kleingruppen didaktisch-methodisch wie organisatorisch nachweislich bewährt.
Wichtige Bestandteile des Konzepts waren auch die gute Zusammenarbeit der Projekt-Lehrkräfte mit den Klassen- und Fachlehrerinnen der Grundschulen und die Einbindung der Eltern. Dies gelang besonders an der Grundschule Emmertsgrund, die von sehr vielen Kindern mit Migrationshintergrund besucht wird.
Am 11. Oktober 2007 veranstaltete der Rotary Club Heidelberg-Alte Brücke zum Dank für die erfolgreiche Arbeit in der Grundschule Emmertsgrund ein großes Spielefest für Kinder, Eltern und Lehrkräfte. Alle waren mit großer Freude dabei.
Dritte Phase – ab Juli 2009
Die Erfolge des Projekts „Kinder lernen Deutsch“ hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der Gemeinderat der Stadt Heidelberg beschloss, das Konzept der Deutschförderung mit Beginn des Schuljahres 2009/2010 zu übernehmen und in den Klassen 1 und 2 aller Grundschulen der Stadt weiterzuführen.
Der Rotary Club Heidelberg-Alte Brücke begrüßt diesen Schritt nachdrücklich. Er sieht sich in seinen Anstrengungen für die Sprachförderung benachteiligter Kinder bestätigt und begleitet die Sprachförderung in den Klassen 1 und 2 weiterhin beratend.
Nach der Übernahme der Sprachförderung durch die Stadt Heidelberg zieht sich der Rotary Club Heidelberg-Alte Brücke nicht aus der Deutschförderung an Grundschulen zurück. Er erweitert sie vielmehr auf die Klassen 3 und 4.
Vierte Phase – ab September 2009
Eine Umfrage des Staatlichen Schulamts an allen Grundschulen Heidelbergs im Frühjahr 2009 hat ergeben, dass auch in den Klassen 3 und 4 noch erheblicher Förderbedarf in der deutschen Sprache besteht, und zwar überwiegend für Kinder mit Migrationshintergrund, aber in deutlichem Anteil auch für Kinder mit Deutsch als Erstsprache (27 % der gemeldeten Kinder). Insgesamt meldeten die Grundschulen aus den Klassen 3 und 4 über 280 Kinder mit Förderbedarf (15 % der Jahrgänge).
Am Förderbedarf in den Klassen 3 und 4 wird sich kurz- oder mittelfristig nichts Wesentliches ändern. Daher hat der Rotary Club Heidelberg-Alte Brücke in Absprache mit der Stadt, dem Staatlichen Schulamt und der Universität beschlossen, als weitere Phase seines Projekts „Kinder lernen Deutsch“ für sprachlich benachteiligte Kinder in den Klassen 3 und 4 analog zu den Klassen 1 und 2 Deutschförderung zu ermöglichen.
Das bisher eingesetzte Förderkonzept ist aber unter den veränderten Bedingungen in der Entwicklung der Kinder und in der Didaktik und Methodik der Klassen 3 und 4 nicht mehr Erfolg versprechend einsetzbar. Für diese Stufe gibt es bisher noch kein schnell umsetzbares, systematisches Lehrgangskonzept mit entsprechenden Materialien für kontinuierliche Förderung.
Um den Erfolg einer Ausweitung auf die Klassen 3 und 4 sicherzustellen, muss in einem ersten Schritt ein solches didaktisch-methodisches Modell erstellt werden. Deshalb hat der Rotary Club Heidelberg-Alte Brücke 30 000 Euro bereitgestellt für die Entwicklung eines entsprechenden Förderkonzepts am Institut für Fremdsprachenphilologie der Universität Heidelberg. Finanziell unterstützt wird der Club dabei von der Manfred-Lautenschläger-Stiftung.
Das Konzept wird in enger Kooperation mit der Unterrichtspraxis entwickelt. Arbeitsauftrag ist, nach der Sichtung verstreut vorhandener Fördermaterialien ein systematisches Konzept mit Unterrichtsmaterialien zu erstellen und zu erproben, das integriert im Unterricht verschiedener Fächer von den Lehrkräften eingesetzt werden kann. Die Grundschule Emmertsgrund ist mit Unterstützung des Staatlichen Schulamts und des Landes Baden-Württemberg an der Entwicklung beteiligt.
Die Arbeit am neuen Förderkonzept hat im Juli 2009 begonnen und ist zunächst bis Mitte2010 geplant. Das Konzept soll nach einer Überprüfungsphase allen Grundschulen Heidelbergs angeboten werden und steht dann selbstverständlich auch allen weiteren Interessenten zur Verfügung.
Mittelfristiges Ziel ist es, die Deutschförderung in den Klassen 3 und 4 ebenfalls in öffentliche Hände zu geben. Die Stadt Heidelberg hat ihre grundsätzliche Bereitschaft analog zur Übernahme der Förderung in den ersten beiden Grundschulklassen erklärt. Es besteht also begründete Hoffnung, dass das Projekt „Kinder lernen Deutsch“ auch in den Klassen 3 und 4 fortgesetzt werden kann.