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Bericht der Saarbrücker Zeitung vom 12. März 2011
Eine Saarländerin erobert New York

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Nachrichtenbild

Seit Herbst vorigen Jahres studiert die Saarbrücker Cellistin Isabel Gehweiler an der Juilliard School of Music in New York, einer der besten Ausbildungsadressen für Profi-Musiker. Die 23-Jährige schildert Eindrücke ihres Studienaufenthaltes in New York.
New York/Saarbrücken. Als Künstler an einer derart renommierten Hochschule wie der Juilliard School of Music aufgenommen zu werden, das war für mich immer eine Art Traum in weiter Ferne. Juilliard, an der schon Weltstars wie Izhak Perlmann, Wynton Marsalis oder Joshua Bell studiert haben, ist ein unheimliches Erlebnis. Juilliard selbst hat etwa 750 Studierende, darunter auch Tänzer und Schauspieler. Studenten aus aller Welt studieren hier. Meine aktuelle Kammermusikgruppe, ein Klavierquintett, besteht aus einer Geigerin aus Südafrika, einer Geigerin aus Südkorea, einem halb mexikanischen, halb amerikanischen in England aufgewachsenem Bratscher, mir und und einem israelischen Pianisten. Diese multikulturelle Mischung ist toll.

Hohes Niveau

Das Nivau aller Studierenden ist sehr hoch. Wie ich nach Juilliard gekommen bin, ist eine längere Geschichte. Angefangen hat alles damit, dass ich mit dem Saarbrücker Organisten Bernhard Leonardy Konzerte gespielt habe. Nach dem letzten Konzert fragte Leonardy mich, ob ich nicht mal im Ausland studieren wolle. Kurzerhand schlug er mich für ein Rotary Ambassadorial Stipendium vor. Dieses Stipendium ermöglicht es Studenten, ein Jahr lang im Ausland zu studieren. Nach mehreren Entscheidungsrunden bekam ich dieses Stipendium.Ursprünglich hatte ich vor, bei Wolfram Kössel an der Manhattan School of Music in New York zu studieren. Ich erhielt die Gelegenheit, ihm während einer seiner Deutschland-Tourneen vorzuspielen und er wollte mich als Studentin haben. Gleichzeitig riet er mir aber, auch an anderen Hochschulen Aufnahmeprüfungen zu machen.

Zur Live-Audition nach New York

Die Aufnahmeprüfung in den USA läuft an musikalischen Universitäten in mehreren Runden. Die erste Runde ist ein „Prescreening“, bei der man eine DVD, Lebenslauf, Repertoirlisten und Empfehlungen einschicken muss. Aus dieser Masse der Bewerber wird der Kern an Bewerbern herausgesiebt, die zu einer Live-Audition nach New York kommen dürfen. Ich hatte mich damals an der Manhattan School of Music, der Juilliard School of Music und Mannes beworben. In allen drei Universitäten wurde ich zur Audition zugelassen, flog im Februar vorigen Jahres dann zur Audition und war überraschenderweise in den Aufnahmeprüfungen sehr entspannt. Durch meine Ausbildung in der Hochschule für Musik Saar war ich gut vorbereitet.

Nach ein paar Wochen Warten kam dann das überraschende Ergebnis: Ich hatte mich bei allen drei Hochschulen qualifiziert und jeweils ein volles Stipendium errungen. Somit konnte ich mir aussuchen, in welcher Schule ich studieren wollte. Da ich meinen jetzigen Lehrer Richard Aaron bereits kannte, und Juilliard eine hohe Reputation weltweit hat, wählte ich Juilliard.

Das Leben als Musiker unterscheidet sich sehr von normalen Studiengängen. Das Musikstudium ist sehr umfangreich. Normalerweise befinde ich mich von neun Uhr morgens bis elf Uhr abends in der Schule. Da ich auch samstags und sonntags Unterricht habe, gibt es wenig Pausen. Zu den sieben bis acht Stunden Unterricht und Proben täglich kommt noch das Üben des eigenen Instrumentes, bei mir vier bis fünf Stunden täglich sind.

Neben musikalischer Ausbildung auch „Business“-Unterricht

Mein Unterricht umfasst neben einer musikalischen Ausbildung (Hauptfachunterricht im Violoncello bei Richard Aaron, theoretischer Unterricht, Klavier) auch nicht-musikalische universitäre Fächer (etwa Ethik/Philosophie, Englisch).

Ich habe hier zudem die Möglichkeit, nicht-musikalische Fächer an der Columbia Universität zu besuchen. Zusätzlich zur Ausbildung als Musiker haben wir zudem „Business“-Unterricht, etwa Workshops des „Career Offices“ – eines Büros, in dem wir alles in puncto Vermarktung lernen können. Anti-Lampenfieber-Training gehört auch dazu. Zu den Projekten, in die ich hier involviert bin, gehören Cross-over-Projekte mit Tänzern und Kunstschaffenden genau so wie normale Konzerte. Derzeit arbeite ich an einer CD mit dem Jazzschlagzeuger John Arrucci.

In dem halben Jahr, in dem ich mich nun in den USA bin, musste ich mich an einiges erst gewöhnen. Vor allem die Lebensmittel waren gewöhnungbedürftig. Dass ein Naturjogurt Zucker enthält, ergo die Kuh wohl gezuckerte Milch geben müsste, war mir neu. Auch gutes Brot zu finden, ist nicht so einfach. Dazu kommt die Geräuschkulisse, die Tag und Nacht herrscht. Das Juilliard Wohnhochhaus, in dem ich direkt neben dem Lincoln Center und der Juilliard School lebe, befindet sich nämlich auf einer Feuerwehrstation…

Hintergrund

Die Juilliard School ist ein weltweit angesehenes Musik- und Schauspielkonservatorium. In Manhattan beheimatet studieren dort derzeit rund 750 junge Leute aus aller Welt. Viele große Namen sind in über 100 Jahren unter den Juilliard-Absolventen zu finden. Das reicht von Geiger Nigel Kennedy über Cellist Yo Yo Ma, den Komponisten Philipp Glass, den genialen Jazzer Miles Davis bis hin zu Schauspieler Robin Williams. red

Die Artikelwiedergabe erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Saarbrücker VerlagsService GmbH



 

Samstag, 12. März 2011/HJ
Letzte Änderung: 23.11.11/HJ
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