New York/Saarbrücken. Als Künstler an einer derart
renommierten Hochschule wie der Juilliard School of Music aufgenommen zu
werden, das war für mich immer eine Art Traum in weiter Ferne.
Juilliard, an der schon Weltstars wie Izhak Perlmann, Wynton Marsalis
oder Joshua Bell studiert haben, ist ein unheimliches Erlebnis.
Juilliard selbst hat etwa 750 Studierende, darunter auch Tänzer und
Schauspieler. Studenten aus aller Welt studieren hier. Meine aktuelle
Kammermusikgruppe, ein Klavierquintett, besteht aus einer Geigerin aus
Südafrika, einer Geigerin aus Südkorea, einem halb mexikanischen, halb
amerikanischen in England aufgewachsenem Bratscher, mir und und einem
israelischen Pianisten. Diese multikulturelle Mischung ist toll.
Hohes Niveau
Das Nivau aller Studierenden ist sehr hoch. Wie ich nach Juilliard
gekommen bin, ist eine längere Geschichte. Angefangen hat alles damit,
dass ich mit dem Saarbrücker Organisten Bernhard Leonardy Konzerte
gespielt habe. Nach dem letzten Konzert fragte Leonardy mich, ob ich
nicht mal im Ausland studieren wolle. Kurzerhand schlug er mich für ein
Rotary Ambassadorial Stipendium vor. Dieses Stipendium ermöglicht es
Studenten, ein Jahr lang im Ausland zu studieren. Nach mehreren
Entscheidungsrunden bekam ich dieses Stipendium.Ursprünglich hatte ich
vor, bei Wolfram Kössel an der Manhattan School of Music in New York zu
studieren. Ich erhielt die Gelegenheit, ihm während einer seiner
Deutschland-Tourneen vorzuspielen und er wollte mich als Studentin
haben. Gleichzeitig riet er mir aber, auch an anderen Hochschulen Aufnahmeprüfungen zu machen.
Zur Live-Audition nach New York
Die Aufnahmeprüfung in den USA läuft an musikalischen
Universitäten in mehreren Runden. Die erste Runde ist ein
„Prescreening“, bei der man eine DVD, Lebenslauf, Repertoirlisten und
Empfehlungen einschicken muss. Aus dieser Masse der Bewerber wird der
Kern an Bewerbern herausgesiebt, die zu einer Live-Audition nach New
York kommen dürfen. Ich hatte mich damals an der Manhattan School of
Music, der Juilliard School of Music und Mannes beworben. In allen drei
Universitäten wurde ich zur Audition zugelassen, flog im Februar vorigen
Jahres dann zur Audition und war überraschenderweise in den
Aufnahmeprüfungen sehr entspannt. Durch meine Ausbildung in der
Hochschule für Musik Saar war ich gut vorbereitet.
Nach ein paar Wochen Warten kam dann das überraschende Ergebnis: Ich
hatte mich bei allen drei Hochschulen qualifiziert und jeweils ein
volles Stipendium errungen. Somit konnte ich mir aussuchen, in welcher
Schule ich studieren wollte. Da ich meinen jetzigen Lehrer Richard Aaron
bereits kannte, und Juilliard eine hohe Reputation weltweit hat, wählte
ich Juilliard.
Das Leben als Musiker unterscheidet sich sehr von normalen
Studiengängen. Das Musikstudium ist sehr umfangreich. Normalerweise
befinde ich mich von neun Uhr morgens bis elf Uhr abends in der Schule.
Da ich auch samstags und sonntags Unterricht habe, gibt es wenig Pausen.
Zu den sieben bis acht Stunden Unterricht und Proben täglich kommt noch
das Üben des eigenen Instrumentes, bei mir vier bis fünf Stunden
täglich sind.
Neben musikalischer Ausbildung auch „Business“-Unterricht
Mein Unterricht umfasst neben einer musikalischen Ausbildung
(Hauptfachunterricht im Violoncello bei Richard Aaron, theoretischer
Unterricht, Klavier) auch nicht-musikalische universitäre Fächer (etwa
Ethik/Philosophie, Englisch).
Ich habe hier zudem die Möglichkeit, nicht-musikalische Fächer an der
Columbia Universität zu besuchen. Zusätzlich zur Ausbildung als Musiker
haben wir zudem „Business“-Unterricht, etwa Workshops des „Career
Offices“ – eines Büros, in dem wir alles in puncto Vermarktung lernen
können. Anti-Lampenfieber-Training gehört auch dazu. Zu den Projekten,
in die ich hier involviert bin, gehören Cross-over-Projekte mit Tänzern
und Kunstschaffenden genau so wie normale Konzerte. Derzeit arbeite ich
an einer CD mit dem Jazzschlagzeuger John Arrucci.
In dem halben Jahr, in dem ich mich nun in den USA bin, musste ich
mich an einiges erst gewöhnen. Vor allem die Lebensmittel waren
gewöhnungbedürftig. Dass ein Naturjogurt Zucker enthält, ergo die Kuh
wohl gezuckerte Milch geben müsste, war mir neu. Auch gutes Brot zu
finden, ist nicht so einfach. Dazu kommt die Geräuschkulisse, die Tag
und Nacht herrscht. Das Juilliard Wohnhochhaus, in dem ich direkt neben
dem Lincoln Center und der Juilliard School lebe, befindet sich nämlich
auf einer Feuerwehrstation…
Hintergrund
Die Juilliard School ist ein weltweit angesehenes Musik- und
Schauspielkonservatorium. In Manhattan beheimatet studieren dort derzeit
rund 750 junge Leute aus aller Welt. Viele große Namen sind in über 100
Jahren unter den Juilliard-Absolventen zu finden. Das reicht von Geiger
Nigel Kennedy über Cellist Yo Yo Ma, den Komponisten Philipp Glass, den
genialen Jazzer Miles Davis bis hin zu Schauspieler Robin Williams. red Die
Artikelwiedergabe erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Saarbrücker VerlagsService GmbH
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