Merzig-Wadern/Saarlouis. Die Vereinigung Rotary International
bietet das nach eigenem Bekunden größte privat organisierte
Stipendienprogramm weltweit. Ein besonders erfolgreicher Student
referierte jetzt beim Rotary-Club Merzig/Saarlouis über seine
Erfahrungen in den USA. Fabian Müller aus Troisdorf bei Bonn hatte an
der Universität des Saarlandes Bachelor- und Master-Studium jeweils ein
Semester vorzeitig abgeschlossen und Bestnoten erhalten. Nun promoviert
der Bioinformatiker am May-Planck-Institut in Saarbrücken.
"Je nach dem, wie viel Geld die Mitglieder aufgebracht haben, vergibt
unser Distrikt pro Jahr vier bis sechs Studienstipendien für zwei
Semester sowie drei bis vier Kulturstipendien über drei bis sechs
Monate, zum Beispiel für Sprachaufenthalte", erklärt Dieter Scheid aus
Überherrn, zuständig für die Zuwendungen im Rotary-Distrikt 1860, der
Clubs aus dem Saarland sowie Teilen von Rheinland-Pfalz, Hessen und
Baden-Württemberg umfasst. "Für die Auswahl laden wir auf Vorschlag der
Clubs 15, 16 Kandidaten ein - dabei geht es nicht um einen
Leistungstest, denn das sind alles Topleute", führt Scheid aus.
"Wir prüfen die Personen, weil sie auch Botschafter unseres Landes
sind, da müssen sie die Strukturen und das politische Geschehen kennen
sowie entsprechend auftreten und soziales Engagement zeigen." Hans-Peter
Lenhof, Bioinformatik-Professor an der Saar-Uni und Rotarier aus
Gresaubach, betont: "Es war aber ein Novum, dass mit Fabian Müller ein
Student gleich in ein Forschungsprojekt eingebunden worden ist."
Im Herbst ist Müller von der amerikanischen Ostküste zurückgekehrt,
wo er im Labor für Stammzellen und Regenerative Biologie von Alexander
Meissner an der renommierten Harvard-Universität forschte sowie am
Broad-Institut am Institute of Technology (MIT) in Cambridge bei Boston.
Institutsgründer Eric Lander zählt zu den Wissenschaftsberatern des
US-Präsidenten. Müller zeigte sich begeistert von den Möglichkeiten: "In
den USA gibt es eine total einzigartige Forschungslandschaft," sagte
der 25-Jährige den Rotariern in Dillingen. "Die Dichte an Instituten und
exzellenten Forschern ist riesig - und die technische Ausrüstung
fantastisch."
So konnte er dort den ganzen Datensatz seines Projektes durchrechnen
lassen, während er sich hier auf jeweils einen Teilbereich beschränken
muss: Dabei geht es für den Bio-Informatiker darum, Eigenschaften
menschlicher Zellen zu untersuchen. "Alle Zellen haben die identische
Erbsubstanz und doch entsteht Unterschiedliches daraus: Herz, Haut oder
Hirn," erläutert Müller. "Ihr Bauplan ist gleich, aber er wird
verschieden gelesen. Ich habe Programm entwickelt, mit denen die
Verpackung des Erbgutes zu analysieren ist." Lassen sich bestimmte
Funktionen von Zellen durch Medikamente an- oder abschalten, stehen der
Medizin völlig neue Wege offen.
"Ich wende das Wissen eines Informatikers an, muss aber das volle
biologische Verständnis der Daten haben," sagt der Nachwuchsforscher.
Professor Lenhof betont: "Für die Forschung ist es ungeheuer wichtig,
vor oder nach der Promotion Auslandserfahrung zu sammeln." Als
Doktorand arbeite Müller jetzt in Saarbrücken auch als Bindeglied zu den
amerikanischen Instituten. Scheid ergänzt: "Wir wollen mit den
Stipendien den Studenten eine einzigartige Erfahrung bieten."
Hintergrund
Die Rotarier sind eine weltumspannende Gemeinschaft mit
zurzeit rund 1,2 Millionen Mitgliedern in 168 Ländern. Aufgeteilt sind
sie in 600 Distrikte. Der RC Merzig/Saarlouis gehört zum Distrikt 1860,
der das Saarland sowie Teile von Rheinland-Pfalz, Hessen und
Baden-Württemberg umfasst.
Die Rotary Foundation ist eine gemeinnützige Stiftung, die
durch weltweite Programme auf humanitärem, erzieherischem und
kulturellem Gebiet die Bemühungen von Rotary International um
Völkerverständigung und Weltfrieden unterstützt. kni
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Artikelwiedergabe erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Saarbrücker VerlagsService GmbH
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